Möschenfeld wird 1.200 Jahre alt

Möschenfeld wird 1.200 Jahre alt
Der Harthauser Heimatkreis würdigte das Jubiläum in seiner Ausstellung vom 16.-18. März im Bürgerhaus Harthausen.
Möschenfeld wurde erstmals im Jahre 819 unter dem Namen Meskilinfeld erwähnt.

1.200 Jahre Möschenfeld_Karl mit Nachbildung

Foto (Wolfgang Mende): Josef Karl mit seinem Nachbau im Maßstab 1:40 der Wallfahrtskirche St. Ottilie

 

Nachdem Möschenfeld im Wechsel im Besitz von Benediktiner, Jesuiten und Malteserorden war, wurde es noch vor der Säkularisation 1799 an Josef Huber verkauft. Nach mehrmaligem Eigentümerwechsel erwarb 1894 Reichsrat Wilhelm von Finck das Gut mit dem gesamten Weiler von 220 Hektar. Bis heute befindet es sich im Finck‘schen Familienbesitz. 80 Einwohner zählt Möschenfeld heute und einige Firmen haben sich angesiedelt, ohne den Charakter des Ortes zu beeinträchtigen.

 

Bekannt als Wallfahrtsort

Seit dem 11. Jahrhundert ist Möschenfeld als Wallfahrtsort bekannt, als die Kapelle der Heiligen St. Ottilie geweiht wurde. Die Kapelle wurde 1640 während des Dreißigjährigen Krieges zur Kirche ausgebaut, erweitert und 1984 aufwendig renoviert. Bei seinen Nachforschungen stellte Josef Karl, 1. Vorsitzender des Harthauser Heimatkreises, fest, dass es früher ein Fest, das sogenannte „Möschenfelder“ gegeben hat. Bis zu 4.000 Gläubige seien damals zum Wallfahren gekommen. Selbst an normalen Sonntagen besuchten ca. 300 Personen regelmäßig die Wallfahrtskirche. In den letzten 50 Jahren fanden laut Karl, der auch Mesner in der Kirche St. Ottilie ist, 1.200 Trauungen statt.

 

 1.200 Jahre Möschenfeld_Urkunde

 

Foto (Wolfgang Mende) Notarielle Urkunde von 1894. Erwerb von Möschenfeld durch Reichsrat von Finck.

 

 

Sogar aus Venedig kam man zum Jagen

Seit einem Jahr sammeln Karl und seine Stellvertreterin Irmgard Karg Unterlagen über Möschenfeld. Hilfe dabei erhielten sie von den Harthauser Einwohnern und der Möschenfelder Gutsverwaltung. Noch vor rund 150 Jahren war das Land rund um das Gut sehr karg, bestehend aus Wald und Heide. An Viehhaltung außer Schafen war damals nicht zu denken. Josef Karl erzählte ferner von einem Reisebericht aus dem 18. Jahrhundert, in dem Adelige aus Venedig zum Hirschen jagen gekommen waren. Wild gab es hier genug. An vielen Stellwänden, bestückt mit Urkunden, Bildern, Lohnbüchern und vielen Fundstücken, konnten die Besucher die Geschichte Möschenfelds entdecken. Nach dem Erwerb des Reichrates erfuhr das Gut einen wirtschaftlichen Aufschwung. Möschenfeld und Harthausen, die schon immer zusammengehörten, haben davon profitiert. Harthauser Landwirte fanden zusätzliche Arbeit, viele Kriegsflüchtlinge erhielten Beschäftigung und Wohnung.

 

Die Wallfahrtskirche im Mini-Format

Das Schmuckstück der Ausstellung war der detailgetreue Nachbau der Wallfahrtskirche im Maßstab 1:40. Wie viele Stunden Josef Karl und seine Familie dafür aufgewendet haben, kann er selbst nicht genau sagen – auf jeden Fall viele! Da keine Pläne mehr vorhanden waren, hat Karl die Kirche innen und außen mit einem Laser-Messgerät vermessen und Pläne erstellt. An der Mini-Kirche ist sogar die Sonnenuhr intakt und das originale Glockengeläut ist zu hören.

 

Jahreshauptversammlung – Harmonie zeichnet diesen Verein aus.

Nach dem erfolgreichen Ausstellungswochenende „1.200 Jahre Möschenfeld“ hatte der Harthauser Heimatkreis am Abend des 18. März zu seiner jährlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Vor 89 Teilnehmer berichtete der Vorstandsvorsitzende Josef Karl über die Ausstellung und das vergangene Jahr. Bei der Versammlung konnte Karl auch Bürgermeister Klaus Korneder und Kreisheimatpfleger Rolf Katzendobler begrüßen. Karl kündigte auch die nächste Veranstaltung an: das „Bartholomäus-Fest“, das am 25. August in Möschenfeld gefeiert wird. Dort werden Hofbesichtigungen und auch eine zweibahnige Kegelbahn aufgebaut. Am Ende bedankte sich Karl bei seiner Vorstandschaft mit den Worten: „Wenn man sich so gut versteht, macht die Arbeit auch Freude – danke an euch alle.“

 

 

 1.200 Jahre Möschenfeld_Karl und Karg

 

Foto (Wolfgang Mende): Der Vorsitzende Josef Karl mit seiner Stellvertreterin Irmgard Karg vor der Monstranz. Wie alt diese ist, konnte nicht festgestellt werden. Die Monstranz taucht erstmalig in einer Inventarliste 1832 auf. Links und rechts sind Priestergewänder, welche wegen ihrer Form im Volksmund Bassgeigen genannt wurden.

 

 

 

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