10 Jahre Dorfladen Harthausen – eine Erfolgsgeschichte

Das Projekt „Dorfladen Harthausen“ zeigt, dass Tante-Emma-Läden auch heute noch eine Chance haben. Allerdings funktioniert das nur, wenn Bürger Verantwortung übernehmen und sich engagieren.

10 Jahre Dorladen Harthausen 1

Foto (privat)

 

Wer kennt das nicht aus seiner Jugend: Für 10 Pfennige Sauerschlangen kaufen? Im Zuge des geänderten Konsumverhaltens der Bevölkerung und der Konzentration von Einkaufsmöglichkeiten, z.B. Discountern und Gewerbegebieten sind kleine sogenannte Tante Emma-Läden insbesondere in ländlichen Gebieten verschwunden. So auch in Harthausen, als 1980 der letzte Lebensmittelladen geschlossen hat.

 

Dorfladen Harthausen Logo

 

Idee:

Im Oktober 2008 nahmen Bürgermeister Klaus Korneder und Gemeinderätin Karin Albrecht an einem Seminar „Tante Emma lebt“ teil. Die Harthauser Bürger müssen zum Einkaufen in die umliegenden Gemeinden Neukeferloh, Haar, Vaterstetten oder Zorneding fahren. Für Senioren, Gehbehinderte und Leute ohne Auto ist das ein Problem. Beflügelt von den Inhalten des Seminars entstand die Idee, in Harthausen einen Dorfladen einzurichten. In den folgenden Wochen nahm diese Idee konkrete Formen an und so wurde sie am 25.11.2008 im Gemeinderat vorgestellt. Unterstützung leistete dabei Wolfgang Gröll, Unternehmensberater der BWH Handelsberatung, der schon viele ähnliche Projekte erfolgreich durchgeführt hat.

 

Die Errichtung eines Dorfladens in Harthausen wurde nicht von allen im Rat so positiv gesehen. Insbesondere die zu erwartenden Kosten in Höhe von ca. 60.000 € sowie einen notwendigen Jahresumsatz von ca. 300.000 €, um schwarze Zahlen zu schreiben, schreckten offensichtlich ab. Auch war man sich uneinig darüber, ob so ein Geschäft von den Bürgern angenommen wird. Dennoch wurde das Projekt weiter intensiv angeschoben und am 1.12.2008 folgte eine Informationsveranstaltung zum Thema „Nahversorgung in Harthausen“ im Bürgerhaus Harthausen. Skeptikern zum Trotz kamen 150 Harthauser Bürger und informierten sich über Möglichkeiten und Bedingungen des „Projekts Dorfladen“. Der Gemeindeteil Harthausen hatte zu diesem Zeitpunkt ein geschätztes potentielles Marktpotential von 2.1 Mio. €. Die Investition eines Geschäftes wurde auf ca. 55.000 € geschätzt und der erforderliche Jahresumsatz wie erwähnt auf ca.300.000 € taxiert.

Trotz gewisser Risiken sprachen sich die Anwesenden mit großer Mehrheit für eine Umsetzung aus.

 

Umsetzung:

Ein solches Vorhaben bedarf entsprechender Planung, hatte man ja lediglich die Idee. Daher erfolgte im März 2009 die Gründung eines Arbeitskreises unter der Beteiligung von 18 Harthauser Bürgern. Neben der Suche nach einem geeigneten Objekt musste eine Gesellschaftsform gefunden und ein Startkapital gestellt werden.

 

Am 22.04.2009 erfolgte die Gründungsversammlung der „Dorfladen Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt“, eine zu diesem Zeitpunkt einmalige Gesellschaftsform. Bislang wurden die Dorfläden als Genossenschaft geführt. Als Gesellschafter wurden Johanna Mayer, Karin Albrecht und Josef Karl gewählt. Anschließend zeichneten die Anwesenden für 191 Anteilscheine zu einem Nennwert von 200 €. Damit war ein Startkapital gesichert. Die folgende Suche nach einem geeigneten Objekt war nach kurzer Zeit ebenfalls erfolgreich. Man konnte sich mit der Gemeinde Grasbrunn auf das „alte Feuerwehrhaus“ in Harthausen einigen. Der Aus- und Umbau des neuen Dorfladens wurde mit sehr großem Engagement der Harthauser Bevölkerung umgesetzt. Mit weit über 2.000 Helferstunden konnte der Dorfladen innerhalb von 6 Monaten gestaltet werden.

 

 

10 Jahre Dorfladen - Abb.2 

Foto (privat): Umfangreiche Umbauten im Außenbereich

 

 

10 Jahre Dorfladen - Abb.3

Foto (privat): Auch „unterirdisch“ wurde gearbeitet

 

 

Eröffnung:

Am 24.09.2009 eröffnete der Dorfladen mit einer Verkaufsfläche von 80 m². Mitarbeiterinnen von Beginn an sind Johanna Mayer, Katharina Karg, Katharina Karl und Martina Okon. Mittlerweile hat der Dorfladen sieben Angestellte, die täglich die Kunden zu aller Zufriedenheit bedienen. Als Glücksfall hat sich erwiesen, dass Johanna Mayer den Laden führt. Gerade der Umgang mit frischen Produkten setzt Erfahrung und unternehmerisches Können voraus, dies setzt sie gewinnbringend um. Das Warenangebot beinhaltet ca. 3.000 Artikel von über 30 Zulieferern. Insbesondere wird das Angebot von Obst, Gemüse sowie Fleisch- und Backwaren geschätzt, hierbei liegt der Focus auf regionalen und saisonalen Produkten.

Der Dorfladen ist in der Vergangenheit auf überregionales Interesse gestoßen. Neben dem finnischen Fernsehen war auch der Bayerische Rundfunk zu einer Reportage vor Ort und es folgte eine Reihe von Auszeichnungen als „Vorzeigeladen“ in Bayern.

 

Fazit:

Das Projekt „Dorfladen Harthausen“ zeigt, dass Tante-Emma-Läden auch heute noch eine Chance haben. Allerdings funktioniert das nur, wenn Bürger Verantwortung übernehmen und sich engagieren. Gerade das große Engagement der Harthauser hat wesentlich zum Erfolg beigetragen. Auch die Handwerker haben auf ihren Arbeitslohn verzichtet, sodass lediglich das Material bezahlt werden musste.

 

Es sei an dieser Stelle auch nochmals allen Beteiligten, Helfern, Unterstützern sowie der Gemeinde Grasbrunn für die erfolgreiche Realisierung des Dorfladens Harthausen gedankt! Der Dank gilt selbstverständlich auch den vielen Stammkunden, ohne sie würde der Dorfladen nicht jährlich schwarze Zahlen schreiben. Und deshalb können unsere Kinder auch wieder für 10 Cent Sauerschlangen kaufen.

 

 

10 Jahre Dorfladen - Abb.4

Foto (privat): Der heutige Verkaufsbereich

 

 

Am 14.09.2019 wurde das „10-Jährige“ bei Musik und Brotzeit entsprechend gefeiert.

 

Eröffnung Dorfladen 5

Foto (privat)

 

Eröffnung Dorfladen 6

Foto (privat)

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